Fallbeispiele:

1. Islandstute Stjarna - ein neues Pferd

2. Trakehnerstute Briska - ein schwieriger Fall

3. Ein dramatischer Sturz - aber Glück im Unglück

 

1. Islandstute Stjarna - ein neues Pferd

von Andrea Lipp, Hannover   

Im Sommer tauschte ich meinen Isi-Wallach gegen die damals 6-jährige Islandstute Stjarna. Sie ist eine zierliche Fünf-Gang-Dame, die zum damaligen Zeitpunkt knapp ein halbes Jahr unter dem Sattel war. Die Vorbesitzerin, bei der Stjarna drei Monate war, berichtete von Problemen mit dem Tölt und entschied sich, dieses junge, gerade eingerittene Pferd gegen ein Erfahreneres zu tauschen.

Islandstute Stjarna von Andrea Lipp

 

Als Stjarna zu mir kam, war sie zwar lieb und brav im Umgang, hatte jedoch einen Blick der deutlich zeigte, dass sie mit dem Menschen auf ihrem Rücken nicht unbedingt Freude verband. Stjarna war mit ihren gerade mal sechs Jahren regelrecht tot im Maul. Sie legte sich auf das Gebiss und versuchte sich nach unten zu entziehen. Bei Paraden versuchte sie durch starkes nach unten reißen ihres Kopfes zu vermeiden, dass ihre Hinterhand Gewicht aufnahm. Als Reiter bestand zum damaligen Zeitpunkt die Herausforderung darin, nicht vorne kopfüber vom Pferd zu stürzen. Auffällig an ihr war, dass sie extrem stark nach rechts hohlgebogen war. Der Schritt war wie bei vielen Isländern übereilt und zappelig, der Trab war instabil und im Dressurviereck war an eine Biegung in den Ecken nicht zu denken. Mit dem Tölt verband sie nur Schlechtes. Jeder Versuch in dieser Richtung führte zu einer starken Verspannung und einer noch stärkeren Hohlbiegung nach rechts. Vermutlich hatte man versucht sie mit harter Hand zum Tölt zu bringen. Dieser Vorgehensweise war die schwache Hinterhand jedoch noch nicht gewachsen. Feines Reiten am aufgenommenen Zügel war nicht möglich. Sie lag schwer auf der Hand und war fest im Rücken. 

Stjarna war damals schwach bemuskelt, hatte einen hochgedrückten Rücken und einen Kopf-Hals-Bereich, der sich in den Boden bohrte. Außerdem zierte dieses junge Pferd bereits ein ordentlicher Unterhals. Man hatte das Gefühl man reitet auf dem Pferd bergab. 

Bereits zum damaligen Zeitpunkt überlegte ich, Stjarna einem Chiropraktiker vorzustellen. Da ich meine Isländer mittlerweile konsequent nach der klassischen Reitweise ausbildete, entschloss ich mich abzuwarten, wie sich die Dressurarbeit auf ihre schiefe Körperhaltung auswirkte. 

Stjarna erhielt eine komplette Grundausbildung nach der von Bent Branderup vermittelten Reitweise. Ich begann mit Bodenarbeit am Kappzaum, brachte ihr bei, die innere Hüfte in Biegungen vorzubringen und setzte die Arbeit mit den Seitengängen Schulterherein und Travers fort. Nach ca. 1,5 Jahren war die extreme Hohlbiegung der rechten Seite weg. Stjarna beherrschte im Schritt alle Seitengänge bis zur Traversale und Hinterhandwendung. In der Hand war sie leicht und kaute permanent mit feiner Verbindung. Nach wie vor bereitete es jedoch Probleme sie im Trab auf der linken Hand zu biegen und Seitengänge in dieser Gangart zu reiten. Sie ging in den drei Grundgangarten locker vorwärts, wollte man jedoch tölten, kamen die alten schlechten Erfahrungen vor und das ganze Pferd verspannte sich komplett. 

Da ich reiterlich zu diesem Zeitpunkt diese Ausbildungsschwierigkeiten meines Ponies nicht überwinden konnte, kontaktierte ich im Februar 2005 Mareike Bollhorn. Mareike stellte eine Blockade im Kreuzdarmbein und in den Lendenwirbeln sowie eine Blockade am ersten Halswirbel fest. Besonders überzeugend fand ich an Mareikes Arbeit, dass sie neben dem chiropraktischen Lösen der Blockaden das Pferd mit Akupunkturnadeln behandelte. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Akupunktur-Behandlung dem Körper hilft, die neue Muskelstruktur zu akzeptieren und somit einen dauerhaften Erfolg sichert. 

Voller Spannung stieg ich einige Tage nach der Behandlung auf mein Pferd und war komplett enttäuscht! Ich meinte zwar, dass mein Pony mehr unter den Schwerpunkt trat, aber als ich antrabte, waren die gleichen Probleme vorhanden wie vor der Behandlung. Ein Anruf bei Mareike klärte, dass einige Patienten etwas länger brauchen, um sich an das neue Bewegungsmuster zu gewöhnen. Im Kopf ist nach wie abgespeichert, dass da mal etwas unangenehm war, außerdem muss sich die Muskulatur - besonders bei länger bestehenden Problemen - erst langsam umbilden. Also fing ich für einige Tage wieder mit vorsichtiger Bodenarbeit am Kappzaum an. Ich zeigte Stjarna vom Boden im Trab, dass sie jetzt ohne unangenehmes Zwacken ihren Körper zu der zuvor schlechten Seite biegen kann. 

Nach circa zwei Wochen dachte ich, ich habe ein neues Pferd. Ich durfte mein Pferd im Trab auf der linken Seite komplett in Biegung reiten, die Hinterhand fing an zu tragen und wir konnten auf einmal taktklar ohne das übliche Schiefziehen des ganzen Pferdes tölten! Seit Mai 2005 reite ich bei einer Mitarbeiterin von Richard Hinrichs, die uns dressurmäßig große Stücke voranbringt. Stjarna lernt jetzt in Versammlung zu traben und kann spanischen Schritt unter dem Sattel. Die dressurmäßige Arbeit und die Behandlung von Mareike haben aus der kleinen, schlecht bemuskelten Stjarna eine stolze Isi-Dame mit ordentlicher Oberlinie gemacht. Eine Nachuntersuchung im Juni durch Mareike machte noch einige „Nacharbeiten“ an noch vorhandenen, kleinen Blockaden notwendig.

 Abschließend kann ich nur sagen, dass ich von Mareikes Arbeit begeistert und absolut überzeugt bin. Mir hat diese Erfahrung allerdings gezeigt, dass man bei dauerhaften reiterlichen Problemen unbedingt einen Chiropraktiker zu Rate ziehen sollte. Eine solide Dressurausbildung sollte für Pferde jeder Rasse ein absolutes Muss sein. Gibt es jedoch gravierende Anlehnungsfehler und Probleme das Pferd zu biegen, sollte ein Fachmann um Rat gefragt werden. 

Bericht von Andrea Lipp


2. Trakehnerstute Briska - ein schwieriger Fall 

von Sabine Weiler, Barsinghausen

Ich kaufte meine mittlerweile 9-jährige Trakehnerstute als schonend angerittene 5-Jährige, die mir wegen ihrer eleganten Grundgangarten, ihrem unverdorbenen Maul und ihrem schwingenden Rücken sofort gefiel. Die ersten Wochen erlebte ich eine glücksbringende Reitstunde nach der anderen, und die Fortschritte waren bei diesem kooperativen Pferd schnell zu erkennen. Dann geschah ein eigentlich „kleiner Unfall“. Ich wollte Briska mit nassen Hufen von draußen in die Stallgasse führen, als plötzlich ein Auto mit schepperndem Anhänger die Stute erschreckte. Sie rutschte aus und fiel – alle Viere von sich gestreckt – auf die Seite. Da sie sich gleich wieder hoch rappelte, nicht lahmte und keine äußeren Verletzungen hatte, machte ich mir keine weiteren Sorgen. 

Im Laufe der nächsten Tage, Wochen und Monate jedoch veränderte sich mein Pferd: sie mochte nur noch ungern nach rechts abwenden, woraus sich bald ein deutliches Schnellerwerden und daraus dann ein regelrechtes „Abgehen“ mit massiven Lenk- und Bremsproblemen entwickelte. Sie trat nicht mehr schön unter, folglich auch nicht mehr ans Gebiss, der Rücken hörte auf zu schwingen und auch optische Mängel wurden sichtbar: die Rückenmuskulatur war auf der einen Seite kaum noch vorhanden, auf der anderen Seite hart und wulstig. Sie trug den Schweif von Tag zu Tag schiefer, ihr Gesichtsausdruck war unzufrieden mit krausen Nüstern, aufgetrenst schloss sie das Maul nicht mehr richtig, sie wurde unleidlich beim Putzen und Satteln.

Dann kam die Zeit der vielen gut gemeinten Ratschläge:

- Das Pferd braucht einen anderen Sattel!

Da der Sattel auch „plötzlich“ irgendwie schief aussah, schien das die Lösung zu sein, doch auch mit dem neuen Sattel blieb das Pferd schief und zog sogar das gute neue Stück ebenfalls schief. Reiten machte weder Pferd noch Reiter mehr Spaß.

- Das Pferd muss endlich mal richtig energisch angepackt werden!

Hmm... vielleicht war ich wirklich zu vorsichtig. Aber auch energisches Reiten (mehr Treiben, mehr Gegenhalten etc.) führte jedoch nur dazu, dass Briska vor Aufregung beim Reiten Durchfall bekam, keinen klaren Schritt mehr ging, sondern hektisch zackelte.

- Das Pferd muss mal so lange geritten werden, bis es alle ist und aufgibt, am besten von einem anderen Reiter!

Auch nach zwei Stunden „arbeiten“ (ich ärgere und schäme mich noch heute) war mein Pferd weder alle noch gab es auf. Sie bekam nur noch mehr Durchfall, wurde noch schneller und hektischer und ließ sich gar nicht mehr durchparieren. Absitzen war nur noch mit dem Reiten in eine Ecke möglich oder durch Abspringen.

Irgendwann kam ich endlich mal auf die Idee, dass Briska vielleicht ein körperliches Problem haben könnte und nicht, wie man so leicht sagt, in den Flegeljahren war und sich mit mir anlegen wollte. Denn ohne das Thema reiten war sie nach wie vor äußerst artig und willig, bei der Bodenarbeit pfiffig und entspannt, an der Longe bis auf den Schweif unauffällig. Das Durchtreten und Durchspringen war jedoch auch hierbei etwas mangelhaft. 

- Das Pferd muss sicher mal eingerenkt werden, vielleicht hat der schiefe Schweif ja doch etwas mit dem Sturz zu tun.

Briska wollte nicht eingerenkt werden! Der arme, auch sehr geduldige „Einrenker“ schaffte es zwar nach einer halben Stunde bei meinem um sich schlagenden und beißenden Pferd ein Hinterbein zu erwischen und mit einer gekonnten Bewegung ein knirschendes Geräusch zu erzeugen, aber er gab zu, dass wegen des Widerstandes die Prozedur möglicherweise nicht so erfolgreich gewesen sein könnte. Tierärzte oder „fremde“ Leute hatten seit diesem Tag jedenfalls keine Chance mehr, sich Briska in „feindlicher“ Absicht zu nähern. 

Es folgte langer Weidegang, immer wieder vorsichtige Versuche, Briska die Reiterei schmackhaft zu machen, wieder Weide, wieder vorsichtige Aufbauarbeit, wieder Weide und noch ein anderer Sattel.

- Das Pferd spinnt, gib sie in die Zucht oder zum...

Ich war unglücklich, mein Pferd sicher noch mehr. Ich probierte homöopathische Mittel, die die Eierstockfunktion regeln sollten, denn in der Rosse verstärkten sich die Probleme, sie bekam Magnesium, Vitamin E, Trick hier und Mittelchen da. Teilweise zeigten sich kleine Erfolge, aber wenn man ehrlich war, blieb sie beim Reiten schief und nur ihr guter Charakter brachte sie dazu, sich immer in ihr offensichtlich schmerzvolles Schicksal zu fügen. 

Dann brachte Frau Dr. Bollhorn nach vier Jahren (!) Leidenszeit endlich Licht ins Dunkel: mein misstrauisches Pferd ließ sich nach anfänglichem Zögern von ihr anfassen und zu meiner größten Freude auch behandeln. Auch die äußerst gefühlvoll und geschickt gesetzte Akupunkturnadel sorgte dafür, dass Frau Dr. Bollhorn Briska davon überzeugen konnte, dass ihr geholfen wird.

Schon nach der ersten Behandlung wurde der Schweif gerade, das Pferd entspannte sich und machte im Laufe der nächsten Wochen deutliche Fortschritte, sie wurde ausgeglichener und Fremden gegenüber deutlich weniger misstrauisch.

Ich bin zuversichtlich, dass meine Briska mit Frau Dr. Bollhorn´s Hilfe endlich doch noch zeigen kann, was in ihr steckt und dass sie ganz sicher nicht spinnt, sondern arbeiten möchte, sobald das nicht mehr mit Schmerzen verbunden ist.

Mehrere Wochen später: Briska läuft locker, gelöst und zufrieden, sie tritt gut unter. Sie ist ein viel entspannteres und zufriedeneres Pferd geworden.

Sabine Weiler, Barsinghausen


 

3. Ein dramatischer Sturz – aber Glück im Unglück 

aus dem Hestur von Rita Sadowsky, Marxen

Unsere 28 Jahre alte Islandstute Skjóna ist ein charakterstarkes Pferd mit noch immer vorhandenem Gehwillen. Sie ist die beste Lehrerin für unsere Jungpferde und für jeden Reitanfänger. Im Sommer wurde sie regelmäßig von einem 14-jährigen Mädchen geritten. So auch an dem Tag – die Mädchen machten zu zweit einen Ausritt – als die Stute im Trab stolperte und sich nicht mehr abfangen konnte; sie stürzte mit der Reiterin, die – Gott sei Dank! – unverletzt blieb. Das Pferd schien auch keine Verletzungen zu haben, lediglich zwei Schürfstellen am Vorderfußwurzelgelenk, die wir sofort intensiv mit einem Wasserstrahl aus dem Gartenschlauch behandelten.

Einige Tage später ging die Stute plötzlich extrem steif, man sah ihr an, dass sie große Schmerzen hatte.

Zufällig traf ich an dem Tag in Hanstedt Mareike Bollhorn, wir kennen die junge Tierärztin schon mehr als 10 Jahre. Sie hat sich auf Chiropraktik und Akupunktur für Pferde und Kleintiere spezialisiert. Ich erzählte ihr von unserer Stute und bat sie, sich diese einmal anzuschauen und entsprechend zu behandeln.

Lassen wir Mareike persönlich berichten:

„Der Rücken der Stute war fest, mit einem Hinterbein machte sie kürzere Schritte als mit dem anderen, sie ging insgesamt sehr steif und mochte sich kaum bewegen. Es war schwer zu sagen, wo die Ursache lag.

Skjóna wurde daraufhin von mir chiropraktisch untersucht und behandelt: die rechte Seite des Beckens, das Kreuzdarmbeingelenk, war deutlich blockiert. Es ließ sich nur wenig bewegen, ähnlich wie eine Tür, die klemmt. Weitere deutliche Bewegungseinschränkungen hatte die Stute in der Lendenwirbelsäule und kleinere Blockaden in der Brustwirbelsäule und im Hals. Diese Blockaden werden durch einen schnellen spezifischen Stoß mit den Händen in einem bestimmten Winkel direkt am betroffenen Gelenk gelöst, wodurch dessen Beweglichkeit wieder vergrößert wird. Große Kraft ist hierzu nicht notwendig, aber genaue Kenntnisse über die Anatomie. Zur Unterstützung der Behandlung habe ich Skjóna auch akupunktiert. Nach einer solchen Behandlung kann ein Pferd „Muskelkater“ bekommen, da die Muskeln anders bewegt werden.

Wenige Tage nach der Behandlung lief Skjóna deutlich besser. Sie war nur noch im Trab undeutlich lahm und lief noch etwas steif. Sie wurde nach zwei Wochen noch einmal akupunktiert. Eine chiropraktische Folgebehandlung kann in einigen Fällen auch notwendig sein.

Die Ursachen für solche Blockaden sind vielfältig: Trauma und Stürze, schlecht passender Sattel, Verletzungen, Lahmheiten. Die Blockaden der Wirbelsäule können Folge einer (unerkannten) Lahmheit sein, zum Beispiel wenn das Pferd auf beiden Hinterbeinen Spat hat und deshalb eine Schonhaltung einnimmt. Es ist wichtig, nach den Ursachen der Blockaden zu suchen. Die Symptome können plötzlich auftreten oder schleichend beginnen und sich langsam verstärken.“ 

Der Unfall und die folgende chiropraktische Behandlung liegen jetzt über drei Monate zurück, und Skjóna bewegt sich ihrem Alter entsprechend wieder ganz normal. Ich nehme sie oft als Handpferd mit und sie läuft so frei und leicht neben dem Reitpferd her, dass ich das Gefühl habe, sie am Seidenfaden führen zu können.

Danke Mareike! 

 


Home